Über uns
Handel und Wandel
Im Sommer 2009 feierten wir unser 30jähriges Bestehen in Arnach. Viele Freunde, Geschäftspartner, ehemalige Mitglieder und Familien reisten an, um uns zu unserem Geburtstag zu gratulieren. Ich glaube, an dem Abend gab es niemanden von uns, der nicht stolz auf das war, was wir zusammen erreicht haben und dankbar für die vielen Menschen, die uns in der Vergangenheit unterstützt haben und uns schätzen.
Dies ist Grund genug, uns und unseren neuen Kunden, die unseren Katalog zum ersten Mal in den Händen halten, vor Augen zu führen, wer wir wind oder auch, wer wir waren.
Entstanden ist die Schäfereigenossenschaft Finkhof in den 1970er Jahren aus einer Jugendwohngemeinschaft, die sich auf die damals roten Fahnen geschrieben hatte: alles ohne Chef, keine Familie, Selbstversorgung und politische Arbeit.Grundprinzipien, die noch heute für uns gelten, waren:
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zusammen leben und zusammen arbeiten
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keine Hierarchien
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kein privates Eigentum an Produktionsmitteln
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gemeinsame Bedürfniskasse
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Entscheidungen werden im Konsens getroffen
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Gleichwertigkeit aller Arbeiten
Es folgte die Aufbauphase, Versuch und Irrtum war an der Tagesordnung. Es waren die Anfänge der Vermarktung auf Wochen- und Weihnachtsmärkten. Unser Katalog bestand aus einem kopierten Blatt. Arbeitsbereiche wurden aufgebaut und auch wieder fallen gelassen.
Um die zwei großen Arbeitsbereiche Versand und Schäferei gruppierten sich Näherei, Färberei, Weberei, Laden, Bestelltelefon, Verwaltung und Küche. Wirtschaftlicher Erfolg stellte sich ein. So entwickelten wir uns langsam und vorsichtig zu einem Betrieb mit 9 Eigentümern und ca. 20 Angestellten. Letzere spielen bei uns eine wichtige Rolle. Die gesamten alltäglichen und betrieblichen Abläufe sind ohne sie undenkbar. Sie entlasten unseren Alltag und tragen oft zur guten Stimmung in Küche und Betrieb bei. Auszubildende und Praktikanten nehmen an unserem Leben Teil, was uns vor so manche Bewährungsprobe stellt. Bis zu 40 Jahre jünger und damit sehr viel diskussionsfreudiger als wir, sorgen sie für frischen Wind in unserem routinierten Tagesablauf. Wir sind professioneller geworden, haben uns aber trotzdem einige Eigenheiten bewahrt. Deshalb wird es immer wieder vorkommen, dass jemand freundlich zu verstehen gibt, dass er gerade im Hausgang die Bestellung entgegen nimmt, wo kein Computer steht, oder dass wir die Bestellung noch handschriftlich aufnehmen. Sollten Sie mal nicht telefonisch zu uns durchkommen, mähen unsere Schafe, bellt ein Hund und Uli sagt Ihnen, wie wir Sie weiterverbinden. Diesen, unseren ganz speziellen Charakter wollen wir uns auch erhalten.
30 Jahre sind eine lange Zeit: rebellische Jugend, erste Zielsetzungen, Beziehungen, Kinder, Abschiede. Abschiede auch von Ideologien, Ansprüchen, Erwartungen. Unterschiedliche persönliche Entwicklungen fanden statt. Freiräume wurden erkämpft und zugelassen. Natürlich sind auch wir nicht frei von Macht- und Konkurrenzverhalten. Leben und Beziehungen außerhalb der Gemeinschaft werden immer wichtiger. Dennoch ist es uns immer wieder gelungen, Lösungen zu finden, die für alle tragbar sind.
Als Landkommune jugendlicher Aussteiger haben wir begonnen. Heute stellen wir uns andere Fragen: Wollen, können wir diese Strukturen aufrechterhalten? Was wird mit dem Betrieb? Wie gestalten wir unser Leben, jeder einzelne für sich und als Gemeinschaft? Können wir unsere Eigenheiten leben und wollen wir die der anderen tolerieren? Brauchen wir im Alter mehr Distanz und individuellen Freiraum? Was können wir möglich machen, was nicht? Das wird aufregend, schwierig, aber nach 30 Jahren Übung sind wir entschlossen, einen Weg zu finden, den alle gehen können.
Gleich gegenüber unseres Wohnhauses befindet sich das Versandgebäude, in dem von September bis April neun Frauen und Männer beschäftigt sind. In dieser Zeit geht es hier hoch her, so dass wir so manches Mal nicht mehr wissen, wo uns der Kopf steht. Doch da wir ein gut eingespieltes Team sind, kann selbst der größte Trubel unserem guten Arbeitsklima nichts anhaben. Im Büro werden Ihre Bestellungen, Anfragen und Rücksendungen bearbeitet, Kunden am Telefon beraten, E-mails beantwortet, Reklamationen und Anregungen entgegen genommen und vieles mehr.
Ist der Auftrag geschrieben, geht er in den Packraum, wo Ihre Bestellung gewissenhaft zusammengestellt wird. Moni, Doris und Tom, Martina und German kommen an den Packtagen schon mal ins's Schwitzen, damit auch die letzte Bestellung bis 12 Uhr versandfertig ist.
So kommt es hin und wieder auch vor, dass wir Fehler machen. Vielleicht wurden Ihre Wünsche am Telefon falsch notiert oder jemand hat beim Packen daneben gegriffen - das tut uns natürlich leid! Machen Sie uns eine Freude und schicken sie eventuelle Rücksendungen frankiert und sorgfältig zusammengepackt an uns zurück.
Damit wir überhaupt etwas zu verschicken haben, ist viel Kopf- und Handarbeit im Vorfeld nötig. Wolle und Rohfelle werden von verschiedenen Schäfereien abgeholt. Anschließend geht die Fahrt zur Gerberei, Spinnerei oder Strickerei. So halten wir Kontakt zu Schäfern, Verarbeitern und Herstellern und nehmen oft auch neue Ideen und interessante Informationen mit nach Hause.
Viele unserer Produkte haben eine lange Vorlaufzeit. Da wird gestrickt, gewebt, gefärbt, gewalkt und ein neuer Schnitt ausprobiert. Die unterschiedlichsten Muster gehen durch unsere kritischen Hände, werden begutachtet und lösen Erstaunen, Begeisterung oder "lange Gesichter" aus. Auch wir lernen ständig dazu und manch eingefahrener Weg muss neu überdacht werden. Seit Februar 2001 sind wir Mitglied im IVN (Internationaler Verband der Naturtextilwirtschaft)