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Schafskälte und Hundstage
Schafskälte
Die Schafskälte zwischen dem 10. und 14. Juni ist ein Kaltlufteinbruch, der mit einer hohen Eintreffwahrscheinlichkeit von 80% in Mitteleuropa das Wetter bestimmt. Die durchschnittlichen Temperaturen fallen um 5° bis 10° C und werden von kaltem und regnerischem Wetter begleitet. Früher war dieses Wetterereignis bei Schäfern besonders gefürchtet,
weil es in die Zeit der Schafschur fiel. Frisch geschorene Schafe werden leicht krank und können dann sogar sterben, wenn sie nächtliche Abkühlungen nahe 0° C draußen im Pferch überstehen müssen. Aber die Schafskälte ist der letzte Kälterückfall vor dem Sommer.
Hundstage
Dafür schickt uns der Hochsommer zwischen dem 23. Juli und dem 23. August oft eine Schönwetterperiode: die heißen Hundstage.
Sirius, der Hauptstern im Sternbild Großer Hund, kann zu dieser Zeit wieder in der Morgendämmerung gesichtet werden, nachdem er lange unsichtbar am Tageshimmel stand. Die Griechen der Antike
sahen den Hundsstern im letzten Julidrittel und brachten ihn mit den häufig auftretenden heißen Tagen in dieser Zeit in Verbindung. Heute erscheint Sirius nicht mehr zeitgleich mit den nach ihm benannten Hitzetagen, sondern erst Ende August.
Mittlerweile verbindet man mit dem Begriff Hundstage europaweit eine besonders intensive sommerliche Hitze. Dass einstmals der Hundsstern Sirius der Namensgeber war, weiß heute kaum noch jemand, ist doch die Vorstellung eines in der prallen Sonne hechelnden Hundes bildhaft genug.
... einen Fehler ausmerzen
Haben wir etwas falsch gemacht oder ist uns ein Missgeschick passiert, so hoffen wir, dass sich der Fehler wieder ausmerzen lässt. Diese Redewendung stammt bereits aus dem 16. Jahrhundert und hat sich bis heute erhalten. Bis ins 18. Jahrhundert hinein wurde sie allerdings ausschließlich in Zusammenhang mit Schafen verwendet. Im Frühjahr war es üblich, die Tiere aus der Herde zu nehmen, die nicht für die Weiterzucht in Frage kamen. Dieses Ausscheiden der alten und kranken Schafe fand in der Regel im März statt -
„die Herde wurde ausgemerzt“.
Im Gegensatz zu vielen anderen Bereichen unseres Lebens bestimmt der Jahresrhythmus nach wie vor die Arbeit in der Landwirtschaft. Natürlich nicht mehr so wie in früheren Jahrhunderten, wo alles von vielen Menschen per Hand bearbeitet werden musste. Aber bei der täglichen Arbeit unserer Schäferinnen und Schäfer spielen Jahreszeit, Niederschläge und Temperatur nach wie vor eine wichtige Rolle. Je nach Witterung wird die Marschroute der Herde festgelegt: Wo ist ein windgeschützter Pferchplatz für die Nacht, wenn es stürmt und regnet? Gibt es über die Mittagsstunden genügend Schattenplätze, wenn ein heißer Sommertag bevorsteht? Ist die Wetterlage stabil genug, um zu mähen und Heu zu machen? Im Schäferei-Alltag sind solche Überlegungen an der Tagesordnung.
... schlafen wie ein Murmeltier
Wir fühlen uns morgens nach dem Aufwachen total erholt und ausgeruht, öffnen die Augen und begrüßen freudig einen neuen Tag - wir haben so tief und fest geschlafen wie ein Murmeltier! Was ist wirklich dran an diesem Vergleich? Schlafen die Murmeltiere wirklich so viel oder so tief, oder bezieht sich die Redensart auf ihre winterliche Ruhephase? Schauen wir uns die Lebensweise dieser scheuen Bergbewohner, die zur Familie der Nagetiere gehören, etwas genauer an. Murmeltiere lieben die Sonne und graben ihre unterirdischen Baue vorzugsweise auf der Südseite oberhalb der Baumgrenze in den Alpen. Erst etwa zwei Stunden nach Sonnenaufgang kommen die ersten Tiere aus ihren Höhlen.
Den Sommer verbringen sie damit, genügend Gräser und Kräuter zu sich zu nehmen, um daraus ein dickes Fettpolster für den kommenden Winter wachsen zu lassen. Mittägliches Dösen in der Sonne ist dazu wesentlich besser geeignet, als kräftezehrende Ausflüge in die Umgebung.
Bereits im Herbst zieht sich der ganze Clan in den Winterbau zurück. Drei Meter tief unter der Erde liegen dann bis zu 15 Murmeltiere eng aneinander gekuschelt. Die Schnauze zwischen die Hinterbeine geklemmt, sieht jedes Tier aus wie eine kleine Fellkugel. Nun leben die Murmeltiere von den Fettreserven, die sie sich den Sommer über zugelegt haben. Während des Winterschlafs ist ihre Atmung auf zwei bis drei Atemzüge pro Minute reduziert; ihre Herzfrequenz sinkt auf fünf Schläge pro Minute. Alle Körperfunktionen werden so stark heruntergefahren, dass die Körpertemperatur nur noch ca. 4,6° C beträgt.
Auch wenn wir es uns manchmal wünschen würden, aber für einen solchen Winterschlaf ist unser Körper einfach nicht geschaffen. Wir sind darauf angewiesen, Atmung, Herzschlag und Körpertemperatur innerhalb relativ enger Grenzen konstant zu halten. Trotzdem können wir von der Lebensart der Murmeltiere etwas lernen. Durch die Abwechslung von Aktivität und Ruhepausen haben auch wir die Möglichkeit, unsere Energiereserven aufzufüllen. Im Schlaf und in Phasen der Entspannung sollten wir uns so rundum wohl fühlen, wie die kuschelig zusammengerollten Murmeltiere.