Wer und wo wir sind

Lebenszeichen

Unsere Genossenschaft existiert seit 1979, hervor gegangen aus einer Wohngemeinschaft von Jugendlichen in Isny, die - wie damals üblich - der Meinung waren, dass die Welt nach ihren Vorstellungen zu ändern sei und dies in kürzester Zeit. Vorbild war der nomadisierende Schäfer und der Marktgänger, der auf regionalen Märkten die Produkte der Schäferei direkt und ohne Zwischenhandel verkaufte. Kommune war die selbstverständliche Lebensform, gleiche Rechte und Pflichten für alle. Jeder war für alles zuständig oder empfand es so. Politik wurde in den Alltag eingeflochten. Unser Durchschnittsalter lag zwischen 20 und 25 Jahren, die Gruppengröße betrug ca. 30 Menschen.
Aus dieser Zeit stammen die Grundprinzipien, die noch heute für uns gelten:
– kein privates Eigentum an Produktionsmitteln
– Bedürfniskasse, d.h. nach Abzug aller betrieblichen Kosten und Investitionen kann sich jeder von uns das nehmen, was er persönlich meint zu brauchen (ja, es funktioniert)
– Hausarbeit gilt als gleichwertige Arbeit zu allen anderen Arbeitsbereichen.

Was hat sich geändert?
Wir sind im Durchschnitt knapp über 50 Jahre alt, unsere Gruppe besteht aus zehn Menschen, dazu kommen Auszubildende und PraktikantInnen. Unsere Arbeitsbereiche sind spezialisiert, aus den Nomaden sind Landschaftspfleger geworden. Die Marktgänger organisieren den alltäglichen Ablauf eines kleinen Versandhauses mit Telefon, Bestellungen, Auswahl der Produkte, Kundenberatung und zu guter Letzt die Gestaltung des Kataloges. Wir haben bis zu 15 Angestellte, die einen Einheitslohn beziehen, ungeachtet der Tätigkeit, die sie ausüben.
In unserem Zusammenleben ist eine starke Individualisierung eingetreten. Unterschiedliche Charaktere haben verschiedene Fähigkeiten und Bedürfnisse, diesen gerecht zu werden, haben wir im Laufe der Jahre gelernt. Aber immer noch bedarf es einer großen Kompromissfähigkeit im Alltag, um solch’ ein verwobenes Geflecht von Beziehungen und Sachzwängen zu leben.
Und hier kommt unser Alter ins Spiel, sowohl unser individuelles als auch das Alter unserer Gruppe. Die erste von uns ist 60, und immerhin gibt es uns jetzt schon 30 Jahre in Arnach und als Genossenschaft. Ein gewisses Nachlassen an Flexibilität, sowohl in den Gelenken als auch in unseren Köpfen und Strukturen ist festzustellen. Und trotz eifriger Anwendung unserer Naturkosmetik lässt sich einfach nicht übersehen, dass die meisten von uns in die Jahre kommen, die allgemeinhin als das letzte Lebensdrittel bezeichnet werden. Sind wir in den letzten Jahren sehr routiniert in unseren Alltagsabläufen geworden, müssen wir uns der Diskussion des Abgebens und Zulassens stellen. Sind wir gewillt, unsere Kenntnisse weiterzugeben, ohne zu verlangen, dass alles so bleibt wie es ist? Was ist für uns als Individuen und als Gruppe wesentlich, welche liebgewonnenen Dinge müssen wir an den Nagel hängen, um Neuem Platz zu machen?


Arbeitsbereiche

Versand

Gleich gegenüber unseres Wohnhauses befindet sich das Versandgebäude, in dem von September bis April sieben Frauen und Männer beschäftigt sind. In dieser Zeit geht es hier hoch her, so dass wir so manches Mal nicht mehr wissen, wo uns der Kopf steht. Doch da wir ein gut eingespieltes Team sind, kann selbst der größte Trubel unserem guten Arbeitsklima nichts anhaben.
Im Büro werden Ihre Bestellungen, Anfragen und Rücksendungen bearbeitet, Kunden am Telefon beraten, E-mails beantwortet, Reklamationen und Anregungen entgegen genommen und vieles mehr.
12 Uhr versandfertig ist, dann kommt die Post, um die Pakete abzuholen. So kommt es hin und wieder auch vor, dass wir Fehler machen. Vielleicht wurden Ihre Wünsche am Telefon falsch notiert oder jemand hat beim Packen daneben gegriffen - das tut uns natürlich leid! Machen Sie uns eine Freude und schicken Sie eventuelle Rücksendungen frankiert und sorgfältig zusammengepackt an uns zurück. Damit wir überhaupt etwas zu verschicken haben, ist viel Kopf- und Handarbeit im Vorfeld nötig. Wolle und Rohfelle werden von verschiedenen Schäfereien abgeholt. Anschließend geht die Fahrt zur Gerberei, Spinnerei oder Strickerei. So halten wir Kontakt zu Schäfern, Verarbeitern und Herstellern und nehmen oft auch neue Ideen und interessante Informationen mit nach Hause.
Viele unserer Produkte haben eine lange Vorlaufzeit. Da wird gestrickt, gewebt, gefärbt, gewalkt und ein neuer Schnitt ausgetestet. Die unterschiedlichsten Muster gehen durch kritische Hände, werden begutachtet und lösen Erstaunen, Begeisterung oder „lange Gesichter“ aus. Auch wir lernen ständig dazu und manch’ eingefahrener Weg muss neu überdacht werden.

Seit Februar 2001 sind wir Mitglied im IVN (Internationaler Verband der Naturtextilwirtschaft).

Näherei

Vom Gerber kommen viele schöne Felle für den Direktverkauf zu uns, aber leider auch solche, die durch die Verarbeitung beschädigt sind. Wir begutachten jedes Fell und sortieren nach Gerbart, Größe und Verwendung.
In unserer Fellnäherei schneiden wir um Löcher und Risse herum und es liegt in unserer kreativen Verantwortung, auch aus diesen Fellen ansprechende, schöne Produkte zu entwickeln, wie z.B. Fellschuhe, Rückenwärmer, Kuschelkissen, Fahrradsattelbezüge und Fellauflagen in allen Größen und Formen. Zeitweise näht eine Schneiderin Schlupfpullover und Jacken. Es werden außerdem Schnitte entworfen und Meterware abgeschnitten. Die Entwicklung von Bastelpackungen ist eine sehr kreative Arbeit, für die oft anfallende Stoffreste verwendet werden.
Im Sommer wird das Lager gefüllt, und im Winter wird genäht, bis die Nadeln glühen. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir im Winter keine aufwendigen Sonderanfertigungen machen können. Wir beraten unsere Kunden gerne am Telefon und freuen uns, wenn wir wieder einmal das richtige Fell für Sie gefunden haben.

Pflanzenfärberei

Seit 19 Jahren färbe ich im Sommer in meiner Hexenküche unsere Märchenwolle, die Wollgarne für den Laden und für die Weberei. Und es macht mir immer noch viel Freude. Der Umgang mit den Pflanzen und Farbstoffen, die Nähe zum Garten, das Ergebnis meiner Arbeit in einer Regenbogendecke zu sehen, all das ist sehr befriedigend.

Natürlich gibt es auch Schattenseiten: Den Allgäuer Sommer, der so oft gar nichts mit Sommer zu tun hat, oder die immer wieder verstopften Pumpen. Aber das Gefühl, eine sinnvolle und schöne Arbeit zu machen, lässt mich das schnell vergessen.


Handweberei

Unsere schöne Werkstatt bietet Platz für fünf Webstühle, die große Schärmaschine, das Garnlager und all die großen und kleinen wichtigen Hilfsmittel, die zum Weben notwendig sind.
Ein großer Teil unserer pflanzengefärbten Wollgarne ist für die Handweberei bestimmt. Mit viel Sorgfalt entstehen daraus Schals und Decken in verschiedenen Bindungen und allen Schattierungen des Regenbogens.

Ein weiteres Produkt der Handweberei sind unsere Türvorhänge aus stabilen Filzschnüren.


Wanderschäferei

Wolle und Fleisch sind die zwei Hauptprodukte, die unsere 650 Mutterschafe liefern. Der Sekundäreffekt, die Landschaftspflege, rückt aber immer mehr in den Vordergrund.
Von Anfang Mai bis in den November hinein wird die Herde auf der Schwäbischen Alb gehütet. Zur charakteristischen Kulturlandschaft der Schwäbischen Alb gehören die Wacholderheiden und die Magerrasen-Biotope. Diese wurden seit Jahrhunderten durch Schafbeweidung gepflegt. Unsere Hauptweideflächen sind solche Biotope. Sie liegen im künftigen UNESCO-Biosphären-Reservat.
Seit dem Aussterben der kleinen Dorfschäfereien liegen seit Jahren kleinere Schafweiden brach. Diese Flächen verbuschen und verwildern. Der Erhalt und die Pflege dieser Flächen mit ihrer typischen Flora und Fauna ist auch heute auf ökologische und kostengünstige Weise nur mit einer Beweidung möglich.
Das Konzept der reinen Wanderschafherde ist im Sommer wegen der weiten Triebwege und der zum Teil kargen Futtergrundlage nur ohne Zwillingslämmer möglich. Aus diesem Grund bleiben die Mutterschafe mit Zwillingen in Arnach und beweiden die steilen, stallnahen Flächen. Hier wird auch auf den gut mähbaren Wiesen unser Winterfutter bereitet.
Ein Acker dient zur Gewinnung von Hafer und Kleegras, mit dem die aufgestallten Lämmer im Winter gefüttert werden. Die Mutterschafe weiden im Winter rund um die Naturschutzgebiete auf extensiven Flächen im schneearmen Oberschwaben und werden mit Heu oder Grassilage zugefüttert.

Unsere Schäferei ist ein anerkannter Biolandbetrieb.

Hofladen

Im alten Dorfgefängnis, später Schweinestall und Bäckerei, befindet sich unser Hofladen. Alle schönen Dinge aus dem Katalog gibt es dort zum Anschauen, Anprobieren und Anfühlen. Von September bis Ende März haben wir zu den Öffnungszeiten einen festen Ladendienst. Von Anfang April bis August kann es schon mal passieren, dass Sie einem Menschen in Küchenschürze, mit leicht geröteten Wangen und einem Duft nach Lammbraten und Gartenkräutern begegnen. Dies ist unser Küchendienst, der im Sommer auch für den Laden zuständig ist.

Natürlich wissen wir alles über unsere Produkte und beraten Sie gerne, aber manche Dinge brauchen einfach Zeit, z.B. die Wahl der richtigen Matratze. Und dann fällt die Entscheidung zwischen dem Lammbraten und dem Kunden schwer. Sollten Sie eine längere Beratung brauchen, wäre es schön für uns, wenn Sie uns vorher anrufen - wir nehmen uns dann gerne Zeit.

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag von 9 - 12 Uhr und von 14 - 18 Uhr
Samstags von 9 - 13 Uhr

Bestellung und Beratung:
Tel.: 07564 - 93 17 11
An Sonn- und Feiertagen haben wir geschlossen.



Eine kleine unvollständige Finkhof-Chronologie

1971 - Gründung der ersten Wohngemeinschaft auf dem Finkhof in Isny.







1975 - Die Gemeinschaft beginnt, Geld für Schafe zu sammeln.
1977 - Erster Auftrieb der Schafherde auf die Obere M&aum;dele Alpe bei Oberstdorf.
- Der erste Film über den Finkhof wird gedreht.
1979 - Zwölf Menschen gründen die Schäfereigenossenschaft Finkhof e.G.
- Kauf des Gasthofs Adler in Arnach
1980 - Erste Ausgabe der "Betriebszeitung" als Beilage der TAZ entsteht unter Beteiligung des Finkhof.
- Geburt des ersten Kindes auf dem Finkhof.
1982/83 - Die Gruppe wächst auf 30 Menschen.
- Auseinandersetzungen mit dem Alpenverein, der uns die Sommerweide streitig macht, führen zur Besetzung der Oberen Mädele Alpe. Der "Allgäuer Schafskrieg" geht durch die Presse.
- Der Hofladen in Arnach wird eröffnet.
1984 - Die Drei Tornados treten im Schafstall auf.
1986 - Der erste kleine Versandkatalog wird gedruckt.
- Unsere Schafsbratwurst wird zur Landschaftspflegewurst auf dem Umweltfestival in Würzburg.
1987 - Die Gruppe schrumpft auf 12 Mitglieder.
1989 - Erster "Internationaler Genossenschaftskongress" auf dem Finkhof.
1990 - Die Gruppengröße steigt auf 24 Erwachsene und 8 Kinder.
- Im Versand wird der erste Computer angeschafft.
1991 - Wir beschäftigen unsere erste Angestellte in der Gastwirtschaft.
- Die Schäferei wird anerkannter Bioland-Betrieb.
1991-98 - Der Finkhof macht die Gastronomie des Theaterfestivals in Isny.
1992 - Wir bauen unser Wohngebäude aus und bekommen Zentralheizung und Sonnenkollektoren.
- Die Schäferei verlegt die Sommerweide von den österreichischen Alpen auf die Schwäbische Alb.
1995 - Der erste Genosse aus den neuen Bundesländern wird Finkhof-Mitglied.
1997 - Der Schafstall in Arnach wird gebaut.
- Wir machen unseren ersten und letzten gemeinsamen Tanzkurs.
1998 - Nach fünfjähriger Diskussion entscheiden wir uns für eine Finkhof-Betriebsrente.
1999 - Unser Wohnhaus, der Gasthof Adler, wird verputzt und grün gestrichen.
2001 - Wir bekommen eine Fotovoltaikanlage.


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